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NATHALIE BISSIG

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REVIEW THUNDER / REPUBLIK "Fototermin" by Annette Keller

27.12.2025

Es donnert
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Wandelbare Inner­schweiz: Zwanzig Jahre lang hat Künstlerin Nathalie Bissig für das Fotobuch «Thunder» Natur, Menschen und Brauchtum fotografisch und zeichnerisch festgehalten.

Ohne Anleitung fordert dieser dichte Bildband von der ersten Seite an auf, sich auf ihn einzulassen. Es gibt in «Thunder» weder Bild­legenden noch Texte oder Hinweise, nicht mal etwas Weissraum. Nur Bilder. Schwarz-weisse, manchmal ins Negativ verkehrt oder bunte Reportage­bilder von Fasnacht, Alpab- und -aufzug, Alltags­situationen. Zeichnungen, für sich allein­stehend oder Bilder überlagernd.

Sie muten mal unbeschwert an, dann wieder bedrohlich, gespenstisch, naturschön, archaisch, sanft, wild und zuweilen auch mal etwas spiessig. Es kommen Kinder vor, Jugendliche und Erwachsene, die eines gemeinsam haben: Sie sind umgeben von Innerschweiz.

Während rund zwanzig Jahren hat die Künstlerin Nathalie Bissig (*1981) ihrer Heimat nachgespürt. Und spüren sollen auch die Betrachter. Die mächtige Berg­kulisse macht nicht nur mit den Menschen etwas, die darin zu Hause sind; sie wirkt auch aus den Bildern heraus. Mal lieblich im Sonnen­schein, mal bedrohlich kurz vor oder während des titel­gebenden Donners.

Was gibt es Schöneres, als sich in ein Fotobuch zu vertiefen und in fremde Welten entführen zu lassen? Artdirector Annette Keller stellt im «Fototermin» jeden Monat eine heraus­ragende Publikation vor. Weil Fotografie uns zum Denken anregt und Unaus­sprechliches erfahrbar macht – und uns die Buchform endlich von den Bild­schirmen weglockt.

Nicht erstaunlich also, suchen die Menschen hier seit jeher eine Antwort auf die Natur, einen Weg, wie sie mit ihr in Austausch treten können. Die Natur, die so einseitig ihre Launen auslebt – zu viel Schnee, zu wenig Niederschlag, rutschende Hänge, trockene Wälder. Aus diesem Bemühen um Dialog sind Brauch­tümer und Mythen entstanden, die den Winter verabschieden, gute Ernten beschwören, vor bösen Geistern (oder Natur­katastrophen) bewahren und die Gemeinschaft stärken. Diese Rituale finden heute zwar, wie alles, auf Social Media statt, nach wie vor aber auch im richtigen Leben. Unheimliche Masken sind auf Instagram ein Like wert, wer vor ihnen steht, gruselt sich wahrhaftig.

Die Bilder und Zeichnungen in «Thunder» sind weder verklärend noch belustigend. Nathalie Bissig findet Neues im Alten und Altes im Neuen – die Bräuche gehen mit der Zeit, so auch die Inner­schweiz. Die Natur verändert sich, ebenso das Zwie­gespräch mit ihr.

Friday 01.02.26
Posted by Nathalie Bissig
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Contact: bissig@bissig.cc / 0041 (+)78 611 08 62